Artitcles from Experts #62-9  
Headline of article * Überflüssige Kapitalbindung durch Working Capital Optimierung auflösen - Liquiditätsreserven im Unternehmen heben  
First name, last name of author * Rainer Wieser  
Organisation of author Proventis GmbH  
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Directory: Articles Financials 
Article categories * Merger & Acquisitions
Financials
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Article language * German
 
Article intro, small description * Die Höhe des Working Capital zeigt, wie viel Kapital im Unternehmen gebunden ist. Je höher die Working Capital-Intensität, desto weniger bleibt für andere Investitionen übrig.  
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Was ist mit Working Capital Optimierung gemeint?
Wer auch in Krisenzeiten mit Finanzierungsschwierigkeiten und sinkenden Absätzen nicht sofort externe Kapitalgeber ansprechen möchte, kann alternativ oder ergänzend sein Working Capital optimieren. Damit ist das Umlaufvermögen eines Unternehmens abzüglich seiner kurzfristigen Verbindlichkeiten gemeint. Zum Umlaufvermögen gehören wiederum Vorräte, Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände, Wertpapiere und liquide Mittel.

Die Höhe des Working Capital zeigt, wie stark kurzfristig freisetzbares Umlaufvermögen lang- und mittelfristig finanziert ist und wie viel Kapital im Beschaffungs-, Produktions- und Absatzprozess gebunden ist. Je höher die Working Capital-Intensität, desto mehr Geld muss für die letztlichen Erlöse vorgestreckt werden und desto weniger bleibt für andere Investitionen übrig. Zur Optimierung werden Gelder grundsätzlich möglichst lange einbehalten und nur kurze Zeit im Umlaufvermögen verbucht. Ziel ist also eine möglichst geringe Kapitalbindung – also ein möglichst geringes Working Capital.

Welche Instrumente stehen zur Verfügung?
Zum einen können Zahlungen optimiert werden: Auszahlungen werden so lange wie möglich in die Zukunft verschoben, Einzahlungen möglichst schnell verbucht. Dafür können Anzahlungen oder möglichst kurze Zahlungsziele mit Kunden vereinbart und das Forderungs- und Mahnwesen gestrafft werden. Desweiteren bietet sich Factoring an: Hier erhält das Unternehmen zwar schnell den Forderungswert, allerdings werden in etwa 10-20 Prozent der Forderungssumme einbehalten und erst zu einem späteren Zeitpunkt ausbezahlt. Darüberhinaus lassen die Kosten von Factoring die Profitabilität sinken.

Von elementarem Nutzen ist eine Senkung der Lagerbestände durch Verkürzung der Lagerzeiten und somit eine Bestandsreduzierung. Dies wird vor allem durch die Just-in-time-Anlieferung der Waren und konsequentes Outsourcing von Fertigungsschritten erreicht. Von Finanzierungsgesellschaften betriebene Konsignationslager ermöglichen einen Produktkauf seitens des Unternehmens erst zum Zeitpunkt der Entnahme bzw. einen Verkauf unmittelbar nach der Produktion. Effektiv ist auch eine Reduktion der Lagerdurchlaufzeiten von Rohstoffen, Waren, Fertigerzeugnissen und Halbfertigwaren – also eine Ablaufoptimierung. Dazu gehören mitunter wenig störanfällige Lager- und Fördertechnik, eine tagesgenaue Kommissionierung, kurze Wege für interne Transporte sowie ein geringer Personalbedarf für die Abwicklung. Desweiteren sollten Ein- und Auslagerstrategien optimiert werden. Platzfüller sollten konsequent eliminiert werden.

Auf jeden Fall muss Working Capital Optimierung strategisch und nachhaltig im Unternehmen verankert sein. Bei jeder Maßnahme muss jedoch eine individuelle Abwägung zwischen mehreren Faktoren stattfinden. So können lange Zahlungsziele das Verhältnis zu wichtigen Lieferanten belasten und deren Flexibilität und Kulanz negativ beeinflussen; und Just-in-time Anlieferung erfordert absolut zuverlässige Lieferanten.

Zum Nutzen von Working Capital Optimierung
Die Reduktion des Working Capital führt zur Freisetzung von Kapital, das wiederum gewinnbringend für Investitionen und andere Zwecke eingesetzt werden kann. Außerdem kann das Unternehmen komplett eigenständig mehr Liquidität generieren und einen höheren Kapitalertrag ausweisen. Kosten werden gesenkt und der operative Cashflow erhöht.

Nicht zu unterschätzen ist die verbesserte Situation gegenüber der Bank. Denn wer weniger abhängig von deren Finanzierungen ist, kann auch freier und bestimmter auftreten - gerade jetzt in schwierigen Zeiten ein strategischer Vorteil. Bei der Optimierung von Working Capital sollte allerdings auch darauf geachtet werden, dass der Wert möglichst ausgeglichen ist und kein negatives Working Capital entsteht. Letzteres bedeutet nämlich, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten höher als das kurzfristig verfügbare Vermögen sind. Im Umkehrschluss hieße das, dass langfristig zu finanzierendes Anlagevermögen mit kurzfristigen Verbindlichkeiten finanziert wurde und der Grundsatz der fristenkongruenten Finanzierung bzw. die „Goldene Bilanzregel“ nicht eingehalten wurde.

Autor: Rainer Wieser, Finanzierungsexperte bei der unabhängigen Münchner Corporate Finance und M&A Beratung Proventis GmbH, www.proventis.de .
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